Fast jeder hat heutzutage einen Blog – jetzt auch das Yogashala!
Denn ich stelle fest, dass ich manchmal Gedanken, Erfahrungen etc. mit anderen Interessierten teilen möchte.
Die Freiheit, was und wie ich hier schreibe ist übrigens grenzenlos.
Ich kann und möchte nicht versprechen, dass es ständig neues Futter für unsere mittlerweile ständig durstigen Gehirne geben wird.
Wenn mir etwas „Wichtiges“ einfällt, findet ihr es hier.

Veranstaltung Timeless Insights mit Ravi Ravindra am 7. September 2016

Ravi Ravindra
Ich habe Ravi Ravindra am 7. September ins Yogashala eingeladen. Der Schwerpunkt des Abends sollte das In-Augenschein-Nehmen des 2. Patanjali Sutra: „yogash-chitta-vritti-nirodhah“ sein. Auf meiner „spirituellen Reise“ bin ich bereits vor vielen Jahren auf Ravi Ravindra gestoßen. Sein Werdegang und die Art und die Ausdauer seiner Suche wirkten wie ein Ruf in mir. Wenn er spricht, ruft es den Eindruck von Wahrhaftigkeit und innerer Verbundenheit hervor. Viele seiner Bücher sind mir wichtige Begleiter geworden. Insbesondere auch sein Kommentar zu den Patanjali-Sutren. Zum ersten Mal ist in meinen Augen bei diesem historischen Text ein Brückenschlag zum westlichen Leben – zu meinem eigenen Leben – gelungen. Ich habe mich sehr gefreut, ihn hier begrüßen zu dürfen und bin sicher, dass es im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben wird.

Interview mit Ravi Ravindra von Doris Iding

Doris Iding: Als Erstes möchte ich mich für die Meditation gestern Abend bedanken. Sie war wunderschön. Was mir besonders gut gefallen hat war, dass Sie so viele Pausen zwischen den einzelnen Sätzen gemacht haben und damit das Heilige eingeladen haben, da zu sein. Denn meistens versuchen wir die Pausen mit Worten oder Gedanken zu füllen. Dann hat das Heilige aber gar nicht die Möglichkeit, sich zu zeigen. Ich möchte gerne mit Ihnen über das Heilige sprechen. Sie haben auch gesagt, dass das Heilige die ganze Zeit da ist. Können Sie bitte mehr dazu sagen.

Ravi Ravindra: Jede Religion sagt, dass Gott im ganzen Universum vorhanden ist. Das heißt, er ist überall. Und das heißt auch, dass er hier in diesem Raum ist. Denn dieser Raum ist auch Teil des ganzen Universums. Es ist egal, wie wir es bezeichnen ob Gott, Krishna, Allah. Jede Religion hat ihre eigene Sprache es auszudrücken. Aber sie alle sagen, dass es überall ist und dass es subtil ist. Und wenn ich mir bewusst mache, dass – nennen wir es das Göttlichen – wie kann ich mich davon berühren lassen. Ich kann es nicht kontrollieren. Denn dann würde es bedeuten, dass ich mächtiger bin als dieses Kraft. Aber ich kann diese Kraft einladen. Das ist auch die Absicht des Gebets. Nicht so, dass wenn es mir schlecht geht, ich sie anrufe und sie mir hilft. Nicht diese Art des Gebets. Es ist eher die Art des Gebets, in der ich Raum mache für Krishna oder das Göttliche, für seinen eigenen Zweck. Jede spirituelle Tradition sagt dies und hat dies zum Ziel. Ich habe mich selbst nicht geschaffen, sondern eher eine subtile Energie. Eine spirituelle Energie braucht einen Körper, um sich ausdrücken zu können. Es ist nicht so, dass mein Körper diese Seele hat, sondern das die Seele den Körper hat. Man kann darüber reden, aber in dem Moment, in dem Du es wirklich fühlst, fängt man sich mehr und mehr dafür zu interessieren.

Welche Handlung braucht oder will die Seele? Die Art und Weise, wie es häufig beschrieben oder ausdrückt wird, ist, dass die Seele anzeigt, dass die manchmal wird es ausgedrückt als Seele, die Verbindung ist zwischen dem Göttlichen und dem Körper. By higher nature…..??? da sind wir mittendrin.
Ich kann mich verhalten wie ein Tier. Denn die meiste Zeit werden wir getrieben von unseren körperlichen Bedürfnissen: Hunger, Sex, Vergnügen etc. Schlafen, Essen etc. Aber da ist ja auch das Bedürfnis der Seele. Normalerweise drückt es sich aus in Momenten starker Gefühle. Zum Beispiel in dem Moment, in dem jemand stirbt, der mir sehr nahe ist. Oder wenn ein Kind geboren wird. Es kann sich in großer Freude äußern oder in großer Traurigkeit. Tiefe Gefühle führen dazu, dass unser Geist für einige Zeit still wird.

D. I.: Ich möchte gerne auf Pranayama zu sprechen kommen. Pranayama ist doch eine Möglichkeit, diesen Raum zu öffnen, oder?

R. R.: Prana wird normalerweise im Englischen mit breath übersetzt. Das Wort breath hat aber die Bedeutung verloren, dass es eigentlich die subtilen Energien beinhaltet. Prana ist auch im chinesischen Wort Chi enthalten. Viele Menschen sind vertrauter mit dem Begriff Chi als mit dem Wort Prana. Eigentlich hat Pranayama auch weniger zum Ziel den Atem zu kontrollieren, sondern es hat vielmehr zum Ziel, den Atem zu regulieren.
Was genau ist der Unterschied zwischen regulieren und kontrollieren? Ich erlebe immer wieder, dass die Yogapraktizierenden glauben, sie müssten den Atem kontrollieren, aber durch werden sie oft angespannt und dadurch wird die Möglichkeit, Atman zu erfahren, kleiner. Dies ist ein wichtiger Punkt. Es ist wichtig, dass wir dieses Prinzip verstehen. Wem immer ich meine Aufmerksamkeit schenke, es ändert seine Qualität und seine Beziehung zu mir. Zum Beispiel atmen wir die ganze Zeit, aber wir sind uns dessen nicht bewusst. In dem Moment, in dem ich mir bewusst werde, dass ich atme, verändert sich die Qualität meines Atems. Wenn ich sage „regulieren“, dann bedeutet dies, dass ich mir dessen erst einmal bewusst werde. Dieses Gewahrsein kommt von einem höheren Bewusstsein. Von einem höheren Level aus kann es sich verändern. Wenn ich mir meines Atems bewusst werde, wird es die Qualität meines Atems verändern. Das hat aber mit Kontrolle nichts zu tun. Wenn ich ihn kontrolliere, dann habe ich eine Idee davon und glaube, tiefer atmen zu müssen etc. Es wird künstlich. Ich kann es eine Zeitlang kontrollieren, aber komme dann zum gleichen Level zurück.
Albert Einstein hat einmal gesagt, dass es auch Probleme in der Physik gibt und er hat auch gesagt: Ein Problem kann nicht auf der gleichen Stufe gelöst werden wie sein Ursprung. Wenn ich versuchen würde, es auf der gleichen Ebene zu lösen, dann passiert das, was mit Kontrolle gemeint ist.

Ich würde sogar noch eher sagen, dass es auch mit dem Betrachten so ist. Wenn ich betrachte, dass ich ärgerlich bin oder eifersüchtig. Stück für Stück findet eine Transformation statt. Wir sollten es betrachten, nicht mit dem Wunsch, es zu kontrollieren, sondern mit dem Wunsch, zu sehen. Das gilt sogar für den Teufel! Wenn Du den Teufel verstehen möchtest, dann musst du ein Interesse daran entwickeln. Dann wird der Teufel dir helfen (lacht).

Bezüglich Prana, Atem oder Chi gibt es etwas, was wichtig ist zu verstehen. Ich weiß nicht, ob Sie sich dessen bewusst sind, aber in der Bibel, im Buch Genesis steht: Gott schuf den Menschen. Dann hauchte er ihnen seinen eigenen Atem ein, um sie zum Leben zu erwecken. Die Tatsache, dass ich lebe, spiegelt sich in der Tatsache, dass ich atme. Und in dem Moment, in dem ich aufhöre zu atmen, sterbe ich. Der Atem ist schlechthin der Ausdruck des Lebens und kommt von der höchsten Ebene. Du kannst es Gott nennen, wenn du möchtest. Das bedeutet, dass Prana, Chi oder der Atem die Verbindung zum Göttlichen ist.

D. I.: Warum ist es so schwer für uns, diesem Gewahrsein Raum zu schenken. Ich habe immer das Gefühl, das ein Punkt kommt, an dem wir diese Liebe, dieses Göttliche nicht mehr aushalten und weggehen davon.

R. R.: Das ist eine Sache der Praxis. Selbst jeder Künstler hat eine tiefe Einsicht und dann malt er wieder Standardbilder. Wir sind so damit beschäftigt, unser Leben zu bestreiten, Geld zu verdienen, besser zu sein als der andere, dass wir uns gar nicht die Zeit nehmen, auf unsere wahre Natur zu hören. Unser Verstand versucht, das zu analysieren, was gerade passiert und dann verlieren wir den Kontakt. Wenn wir zum Beispiel einen schönen Sonnenuntergang sehen, dann versuchen wir auch nicht, ihn zu verstehen. Wenn wir ein bisschen trainierter sind und es ist letztlich der Grund jeder spirituellen Praxis, den Körper und den Geist zu trainieren, ein bisschen zu entspannen. Wenn wir versuchen, nicht mehr so viel in der Welt umherzulaufen, und stattdessen zur Ruhe zu kommen, dann tun wir unseren Teil und lassen Krishna den Rest tun. Das hört man auch immer wieder von Wissenschaftlern. Sie arbeiten hart und dann, wenn sie sich entspannen und einen Spaziergang machen, kann es sein, dass sie dabei eine wichtige Einsicht haben. Das heißt, wir tun unser Bestes und dann erlauben wir etwas Größerem, das seine zu tun.

D. I.: Was würden Sie uns Deutschen den raten, was können wir tun, um mehr Zugang zum Göttlichen zu bekommen, anstatt Yoga und Pranayama zu machen.

R. R.: Sie dürfen nicht vergessen, dass die Deutschen großartige Philosophen hervorgebracht haben. Ich bin ein großer Fan von Einstein. Sie wissen ja, dass ich Physiker bin. Einstein wurde immer wieder gefragt, ob Kreativität Gnade ist oder eher die Frucht von harter Arbeit. Er meinte, dass es natürlich Gnade ist, aber dass man dafür vorbereitet sein muss. Es betrifft aber nicht nur die Deutschen, sondern alle Menschen. Auch die Inder.

Und immer wieder müssen wir uns fragen. Warum bin ich hier? Das müssen wir uns fragen, um unserer Seele gerecht zu werden. Was ist die Bedeutung meiner Existenz? Es ist nichts schlechtes daran, Geld zu verdienen, erfolgreich zu sein, Spaß zu haben etc. Aber wir sollten uns immer fragen: Warum bin ich hier? An Leistung ist nicht schlechtes, aber wir müssen auch das immer hinterfragen. Die Studenten werden gelehrt, konkurrenzfähig zu werden. Auch wenn man Krisnamurti hört, so hat er nichts gegen Leistung, aber ist doch dafür, dass man mehr nach innen geht.

Wenn ich einen Ratschlag erteilen kann, dann ist es der, sich Gleichgesinnte zu suchen. Das ist in meinen Augen die größte Hilfe.

D. I.: Vielen Dank für das Interview!